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Was darf's denn sein? Teuer oder langwierig? :D // Ria

Aktualisiert: 29. Nov. 2022



Oder auch: Self-Publishing oder traditioneller Verlag?


Ich schätze inzwischen haben sicher alle mitbekommen, die uns hier schon eine Weile folgen, dass wir uns dafür entschieden haben unabhängig zu veröffentlichen. Doch warum haben wir uns dafür entschieden? Hier und da haben wir es schon mal angerissen, doch vielleicht wird es Zeit das mal ein wenig näher zu beleuchten.

Doch eins nach dem anderen.


Self-Publishing: Was ist schön, was ist shitty?


SP bedeutet die Freiheit in allen erdenklichen Punkten auf der To-Do-Liste hat. Aber dafür gehört die To-Do-Liste auch ganz allein dir und du musst dich darum kümmern. Darunter fallen solche Sachen wie:

  • Cover

  • Titel

  • Lektorat

  • Korrektorat

  • Marketing

  • Buchsatz

  • das Ganze muss geschrieben werden :D

  • Vertrieb (also die Entscheidung, wo und wie das Ganze zu haben sein sollte)

Das ist stressig, aber wenn man sich ordentlich reinfuchst, dann macht es auch richtig Spaß. Man muss allerdings auch der Typ dafür sein.


Ein Vorteil daran es selbst zu tun ist, dass man auch den Zeitplan selbst bestimmen kann. Das beschleunigt alles ungemein. Von der ersten Idee, bis hin zum fertigen Buch, gehen manchmal nicht mehr als 4 Monate ins Land. Wenn man sich reinkniet, ist das durchaus möglich.

Für unseren "Unschuldigen Kuss" haben wir 4 Monate gebraucht. Wir hatten es eines schönen Januars niedergeschrieben (und dann auf Wattpad veröffentlicht). Als wir uns diesen März also entschieden, dass es dieses Buch werden soll, haben wir uns an die Überarbeitung gemacht und das hat auch noch mal einen Monat gedauert. Korrektorat und Buchsatz brauchten auch noch mal ihre Zeit und schließlich war es Mitte Mai nach ca. 3 Monaten fertig. Allerdings wollen wir für das nächste Buch ein professionelles Lektorat und das braucht in der Regel auch einen guten Monat.

Das klingt vielleicht im ersten Moment lang, doch tatsächlich ist das super fix. Bei dem Tempo kann man drei Bücher im Jahr in den Verkauf bringen. Das ist cool :D

Bei einem Verlag vergehen von der Annahme des Manuskriptes bis zur Veröffentlichung in der Regel ein bis zwei Jahre.


Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich nicht mit Bewerbungen an Verlage rumschlagen muss, die wie jede andere Bewerbung mit Hoffen, Bangen und Stress verbunden ist. Wir alle kennen es. Nimmt man die Veröffentlichungen selbst in die Hand, dann fällt das weg.

Gerade, wenn man eher für eine Nische schreibt, dann bleiben die Absagen nicht aus. Das kann ganz schön an den Nerven und dem Selbstbewusstsein zerren. Lässt man einen Verlag außen vor, so muss man sich auch keine Sorgen darum machen, ob das Buch "wert" ist herausgebracht zu werden. Diese Entscheidung übernimmt man einfach selbst. Yeay.


Auch schön: Kein Verlag bedeutet, dass auch niemand einem reinredet. Keiner setzte einem einen Titel oder ein Cover vor, dass man gar nicht leiden kann, mit dem man aber leben muss, weil der Verlag überzeugt ist, dass sich diese einfacher verkaufen, als das ursprüngliche Konzept. Auch in den Inhalt kann ein Verlag eingreifen. Kapitel streichen hier, 'kann man den Charakter nicht noch ändern' da.

Für uns war dieser Gedanke mitunter der größte Horror. Was wenn, man einen Verlag ran bekommt, nur damit dieser dann das Buch umkrempelt? Hier kommt es ganz darauf an, an was für einen Verlag man geraten ist. Genau wie wir alle schon bei coolen und bei nicht so coolen Arbeitsstellen gearbeitet haben, kann man auch einen Verlag finden, der 1A ist oder ins Klo greifen. Je nachdem sind die Vorschläge sehr durchdacht und berechtigt oder einfach nur der Versuch, das Buch durch den Filter der absoluten Massenware zu quetschen.


Doch natürlich gibt es auch Nachteile und die Liste, Freunde, die ist lang.


Fangen wir mit den Kosten an. Ich hatte ja schon mal einen Blog über die Kosten geschrieben, also brauche ich an dieser Stelle nicht noch mal darüber zu jammern. Sagen wir, sie sind hoch. Unser Buch hat und bis jetzt eine gute Stange Geld eingebracht, aber es reicht noch nicht, um alle Kosten, die ich in dem anderen Blog erwähnt hatte, wieder reinzuholen. (Nicht unbedingt unüblich für das Debüt, die Zeit wird zeigen, was noch zusammenkommt.)


Ein weiterer Nachteil: Alles allein bestimmen zu dürfen, bedeutet auch, dass man sich um alles kümmern muss ... aber man ist nicht unbedingt in allem Experte. In einem Verlag hat man Leute im Rücken, die sich in der Branche auskennen - deswegen bestimmen sie ja auch so gerne Cover und Titel. Ohne Verlag muss man sich alles in die Richtung aneignen. Das heißt, man stellt sich einer steilen Lernkurve.


Ebenfalls eine steile Lernkurve birgt die Auseinandersetzung mit der Sache, die jeder, der irgendwie versucht ein Business auf die Beine zustellen fürchtet: Steuern D:

In dem Moment, wo man das erste Buch online stellt verdient man - wie viel es auch sein mag - Geld und wenn man Geld verdient, dann will der Staat das wissen. Man ist mehr oder weniger selbstständig, also hat man auch den ganzen Steuermist an den Hacken.


Ich muss allerdings auch zugeben, ich bin mir nicht ganz sicher, wie das bei Verlagsautoren ist und ob es sich dabei um ein Angestelltenverhältnis handelt.

Doch als Self-Publisher ist ein Brief ans Finanzamt auf jeden Fall fällig und damit verbunden die Steuererklärung, vor der Erin und ich uns von jeher gedrückt hatten.




Und wie sieht es aus mit traditionellem Publishing?


Der Blog wird allmählich zu lang, also fassen wir uns kurz. Was ist nun wirklich anders am traditionellen Publishing? Nun, es mag banal klingen, aber der Hauptunterschied liegt auf der Hand: Du hast einen Verlag.


Verlage sind in der Regel toll und ich will sie auf keinen Fall verteufeln. Für viele ist es sicher eine enorme Erleichterung zu wissen, dass sie einen starken Partner haben, der ihnen einen großen Teil der Arbeit einfach abnimmt. Wie schon erwähnt muss man sich zwar immer mehr am Marketing beteiligen z.B. durch Social Media, aber die hübsche Plakat-Werbung in der Stadt oder im Fenster der Buchhandlung, die übernimmt dein Verlag für dich. Du musst dir keinen Kopf darum machen.


Apropos Buchhandlung: Wenn dir wichtig ist, dass du dein Buch irgendwann in Buchladen rumstehen siehst, dann lass dir gesagt sein, dass die wenigsten Self-Pub-Bücher es in den Laden schaffen und wenn dann nur unter großen eigenen Anstrengungen und mit einem Schuss Vitamin B und dann steht es auch nur in dem Buchladen um die Ecke, mit dem du gesprochen hast. Um ein Buch in den Regalen ganz Deutschlands wiederzufinden, brauchst du einen Verlag, der es für dich organisiert und eventuelle Risiken übernimmt.


Auch die Risiken sind ein guter Punkt. Ein Verlag zahlt dir ein Honorar im Voraus und dieses gehört dir, auch wenn das Buch (was ich natürlich für niemanden hoffe) gnadenlos floppen sollte, denn die Risiken von finanziellem Verlust trägt ebenfalls der Verlag.


Ein weiterer Vorteil ist, dass generell kaum bis keine Kosten auf dich zukommen.

Wenn du dir selbst einen Drucker kaufst, vielleicht ein Notebook oder ein Schreibprogramm, dann geht das natürlich auf deine eigene Kappe. Diese generellen Basics, die man sich vielleicht gönnt, um zu starten und das Arbeiten angenehmer zu machen, sind einfach Ausgaben, die man für sich selbst abwägen muss.

Du kannst dein Buch aber auch im Editor schreiben, wenn du krass bist und damit ein vernünftiges Manuskript auf die Beine gestellt bekommst.

Alle Kosten, die dann aber das Buch betreffen, die trägt der Verlag. Das beinhaltet u.a. Marketingmaßnahmen, Lektorat (sollte ein Verlag dir kein Lektorat anbieten, dann LAUF. Seriously, das ist das Mindeste), Korrektorat, Druckkosten, Versandkosten, Buchsatz, Cover usw. All die Sachen, die das Self-Publishing so teuer machen.


Außerdem: Prestige. Machen wir uns nichts vor, irgendwie fühlt es sich immer gut an, eine Bestätigung zu bekommen. Einen Verlag überzeugt zu haben, ist für viele Autoren ein großer Boost in ihrem Selbstvertrauen. Ansonsten wird ein Verlag auch beim Kunden oft mit Wertigkeit in Verbindung gebracht. Das "Self-Publishing ist alles Schrott, das keinen Verlag gefunden hat" - Klischee hält sich bei vielen noch hartnäckig. Zum Beispiel bei vielen großen Literaturfachpreisen, bei denen man sich ohne Verlag nicht anmelden kann.


Wo ist dann der Haken?


Nun ... du gibts deine Rechte ab.

Und das kann ganz schwierig werden.


Verträge mit Verlagen können sehr kompliziert sein und oft ist es schlauer zusätzlich noch eine Agentur zu haben, die die Verhandlungen für dich regelt (ist, wenn ich mich nicht täusche, sogar eine Empfehlung der Branche). Ansonsten kann es nämlich sein, dass du - solltest du an irgendwas Dubioses geraten oder vielleicht auch einfach nur an einen Verlag geraten, der seinen Job einfach nicht so gut macht - du deine Rechte dauerhaft verlierst und dein geistiges Eigentum in der Tonne landet oder noch schlimmer: Es bringt was ein, aber du bist deine Rechte daran los. Ich glaube, letzteres passiert eher selten.

Klassischer ist es, dass so ein Verlag sich sämtliche Rechte an einem Werk sichert, aber nicht alle nutzt. So hamstern manche Verlage sich z.B. die Lizenz für das Hörbuch, obwohl sie nie eins machen. Du kannst das mit dem Hörbuch aber auch nicht mehr in die Hand nehmen, denn die Rechte dazu hat ja der Verlag. Also Augen auf bei der Verlagssuche:


  • Behalte so viele Lizenzen und Rechte wie möglich, gib nur so viele wie nötig ab

  • Gib immer eine Zeit an, die die Lizenzen gelten, bevor sie an dich zurückgehen, nie, ich wiederhole, NIE gib Lizenzen für immer ab. Dein Werk ist in Deutschland für das Urheberrecht geschützt und dies erstreckt sich bis 70 Jahre nach deinem Tod ... glaub mir, das ist nicht die Zeit, die du irgendeine Lizenz an irgendeinen Verlag abtreten willst.

  • Sollte ein Verlag mehrere Lizenzen haben wollen, dann nagel ihn vertraglich auf eine Umsetzung in einem gewissen Zeitrahmen fest (damit dein Hörbuch dann auch wirklich rauskommt...)

  • Achte darauf, dass du auch ein vernünftiges Honorar bekommst, denn dann hat der Verlag auch einen Anreiz, das Geld, was er in dich investiert hat, wieder rauszuholen


Neben den Rechten verlierst du, wie oben schon erwähnt, auch einige Freiheiten.

Es steht dem Verlag frei dein Werk zu verändern, wenn er der Meinung ist, dass es sich dann häufiger verkauft.

Dein Titel ist plötzlich kitschig und du magst ihn nicht mehr? Tja, Verlag denkt da anders.

Dein Cover sagt dir nicht zu? Auch damit musst du leben.

Das Kapitel, auf das du besonders stolz warst, findet dein Lektor unnötig und es wird gestrichen? Zum Glück gehen solche Tage vorbei, was?

Nicht wenige freuen sich zunächst auf eine Zusammenarbeit mit einem Verlag und sind dann ganz erschrocken, wie viele Einschränkungen sie plötzlich erwarten, denn ein Verlag nimmt sich nun mal das Recht raus, Dinge auf den Markt anzupassen, sollte er es für nötig halten. Man selbst hat dann kein Mitspracherecht mehr, beziehungsweise kann man seine Bedenken sicher an den Verlag heranbringen, das letzte Wort hat jedoch der Verlag.


Reden wir an dieser Stelle noch mal kurz über das Geld.

Man muss verstehen, dass traditioneller Vertrieb und Self-Pub verschiedene Märkte bedienen. Verlagsautoren verkaufen vorrangig Printbücher über den klassischen Buchhandel.

Self-Publisher sind eher im Onlinehandel zu Hause und vertreiben vorwiegend E-Books.

Die Printausgaben sind in der Regel deutlich teurer als die E-Book-Schnäppchen.

Doch verdient der Verlagsautor damit mehr?

Leider nein. Fast schon das Gegenteil. KDP gesteht einem Autor (je nach Verkaufspreis) 35 - 70% Tantiemen zu. Durch all die Kosten, die ein Verlag für den Autor trägt, können Verlagsautoren davon nur träumen. In der Regel bekommen Verlagsautoren zwischen 7 - 14 %. Wenn man einen richtig guten Vertrag hat auch mal 20 %, aber das ist selten.

Nur, wenn deine Einnahmen durch diese Tantiemen irgendwann mal das zuvor bezahlte Honorar übersteigen, bekommst du wieder Geld von deinem Verlag. Bei den meisten wird dieser Punkt nie erreicht.


Bonus: Zuzahlungsverlage / Druckkostenzuschlagsverlage


Schon mal Bock drauf gehabt, verarscht und betrogen zu werden? Nein? Hervorragend, dann lass die Finger von Zuzahlungs- / Druckkostenzuschlagsverlagen (was für ein deutsches Wort...).

Ein Verlag sollte NIE Geld von dir einfordern. Niemals, okay? Auch nicht, wen Jupiter und Saturn in einer Reihe stehen und die Turmuhr dreizehnmal schlägt. Solltest du an einen Verlag geraten, der Geld von dir will, dafür dass er dein Buch rausbringst, dann nimm dein Manuskript in die Hand und lauf!

Überleg mal: Du bezahlst doch auch in deinem Brotjob kein Geld, damit du zur Arbeit rennen darfst. Das ergibt keinen Sinn.

Zumal diese Verlage einen Scheiß tun, dein Buch an die Kunden zu bekommen, die haben ihr Geld schließlich bekommen ... von dir. Und im schlimmsten Fall haben die dann auch noch deine Rechte und du kannst mit deinem Manuskript nicht mal mehr woanders das Geld wieder reinholen, was dir dein Fake-Verlag abgeknöpft hat.


Fazit


Self-Publishing und traditioneller Vertrieb sind unterschiedliche Welten und beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile. Jeder muss für sich selbst entscheiden, was seine Definitionen von Erfolg sind und wie er arbeiten möchte.

Kein Weg ist besser als der andere, sondern je nach Nase des Autors passt ein Weg vielleicht einfach besser zu ihm, als der andere.

Außerdem wandelt sich der Markt stetig und niemand sagt, dass man sich zwingend für eins von beiden entscheiden muss, denn schon heute wagen einige Verlagsautoren hier und da einen Ausflug in die Self-Publisher-Wildnis, z.B. wenn sie sich entscheiden, die Rechte am Hörbuch zu behalten und sich darum selbst zu kümmern, während der Verlag Printausgabe & E-Book regelt oder sie finden diesen einen Roman in ihrer Schublade, der nicht zum Verlag und der Autorenmarke passt und hauen den eben selbst unter anderem Namen raus. Zur selben Zeit behalten Verlage die SP-Brance im Auge, auf der Suche nach erfolgreichen Autoren, denen sie eine Zusammenarbeit für zukünftige Werke anbieten können.


Wir persönlich tun uns schwer damit, Rechte aus der Hand zu geben. Wir sitzen darauf wie Drachen. Schon allein deswegen flattern wir durch den SP-Dschungel. Auch über Cover, Titel und Inhalt haben wir lieber selbst die Kontrolle.

Doch letztendlich muss jeder Autor für sich selbst entscheiden, welchen Weg er einschlagen will. Ich hoffe, meine fast schon riesige Zusammenfassung ist den Neulingen unter uns eine kleine Hilfe.

Ansonsten bleibt mir nur noch allen (angehenden) Autoren unter uns alles erdenkliche Gute und viel Erfolg zu wünschen.


Vielen Dank, dass du dich bis hierher durchgekämpft und dieses Monster von einem Blog gelesen hast! Vergiss nicht unseren Social-Media zu folgen und dich in die E-Mail Liste einzutragen, damit du nichts verpasst. Bleib gesund und mach keine Dummheiten, solltest du deine Lizenzen verteilen ;)


Riot!



Ria ♥

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