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Autoren leben in dunklen Höhlen und zeigen sich nur mit Manuskript ... oder? // Ria



Oder auch: Die Vorstellung davon, wie Autoren leben und wie falsch vieles davon ist. Eigene falsche Annahmen eingeschlossen.


Okay, ich gebe zu, das mit der Höhle ist übertrieben. Dennoch haben viele ein bestimmtes Bild vor Augen, wenn sie den Begriff 'Autor' hören. Ich denke, eines der beliebtesten Klischees ist, dass ein Autor nachts über seinem Laptop hockt, wie ein kleiner Gremlin, und wenn die Sonne aufgeht, ist ein neuer Bestseller geboren. Und mehr hat er nicht zu tun. Solange er nur schreibt, hat er alles erledigt, was er erledigen muss. Den Rest der Zeit schläft er.


Wenn es nur so schön einfach wäre.


Ich würde das auch gut finden. Den ganzen Tag einfach nur zu schreiben und zum Gremlin werden.

Aber leider ist das nicht der Fall. Auch nicht für die lieben Verlagsautoren, bei denen der Verlag einen guten Teil der Arbeit abnimmt. Bevor Erin und ich hier gestartet sind, habe ich angefangen, mich umfassend mit Fachliteratur auseinanderzusetzen, um herauszufinden, was man als erfolgreicher Autor leisten muss und ich gebe zu, das Ergebnis hat mich überrascht.


1) Autoren müssen - vor allem in der heutigen Zeit - sichtbar sein.


Wanna have a date?


Ende mit dem Klischee, dass Autoren sich hinter verschlossenen Türen in ihren Arbeitszimmern verstecken und nicht mehr sind, als ein Name auf einem Buch, dass man als Autor nicht prominent wäre. Lesungen und Signierstunden, z. B. auf Buchmessen, wie der Leipziger Buchmesse, widerlegen dieses Klischee eigentlich schon seit Ewigkeiten. Gerade von Verlagsautoren wird erwartet, dass sie so ihren Beitrag zum Marketing dazu steuern. Also muss man wohl oder übel aus seinem Bunker kommen und raus an die frische Luft gehen, um Leser und Kollegen zu treffen.

Wenn dich niemand sieht, wie sollen die Leute dann auch wissen, dass du etwas hast, dass du ihnen zeigen willst? Für viele Autoren ist das befremdlich, doch wenn man in die Branche möchte, dann gehört das tatsächlich dazu.


But wait, there is more ... Social Media! Again.


Viele Leser sind neugierig. Sie wollen gerne wissen, was für eine Person die Welt erschaffen hat, in die sie die letzten Tage geflüchtet sind. Ich finde das großartig. Aber für Leser irgendwie erreichbar zu sein, ist eine ziemliche Arbeit. Zum Glück vereinfachen das Social Media heutzutage ein wenig - wenn man den ganzen Kram denn eingerichtet bekommt.

Erin hatte ja schon in ihrem Blog davon berichtet, dass es durchaus Tücken haben kann und was soll ich sagen: Vor ein paar Tagen erst wurde unser Facebook Account gesperrt, weil wir keinen Klarnamen verwendet haben. Wundervoll. Also müssen wir, was Facebook betrifft, noch mal von vorne anfangen.

Das kostet Nerven.


Doch, auch wenn Twitter, Facebook und Co. endlich stehen, kosten sie eine Menge Zeit, um up to date zu bleiben. Ein Zeitaufwand, der investiert werden will. Zum Glück lohnt er sich in den meisten Fällen.

Zu einem ist der Kontakt zu den Lesern nicht nur aufschlussreich und erfüllend, ein gutes Verhältnis zur Leserschaft führt gerne zum Aufbau einer kleinen Fangemeinde und - ja - das führt natürlich auch zu einer gewissen Reichweite, die für einen erfolgreichen Buch-Release auf jeden Fall förderlich ist. Hand aufs Herz, natürlich will man seine Bücher auch an den Leser oder die Leserin bringen und eine Fangemeinde ist bereit, Projekten eine Chance zu geben, selbst wenn sie mal weniger kommerziell sind. Außerdem bringen die meisten Fangemeinden mit sich, dass man erkennen kann, welchen Impact man bei den Lesern hinterlassen hat, sei es durch Kommentare, Fanpost oder sogar Fanarts. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Autoren gibt, die sich nicht über derartiges Investment freuen. Zumindest für uns ist das ein kleiner Traum.

Zum anderen kann man sich über die Medien mit anderen Autoren vernetzen und das ist unverzichtbar, um zu lernen und voranzukommen. Daher ist es immer empfohlen, sich als Newbie in ein paar Autorengruppen einzuschleichen, um sich Feedback einholen zu können und vielleicht hier und da auch ein bisschen Vitamin B zu bekommen.


Doch ein Wachstum der Reichweite kommt nicht von allein. Das benötigt eine Menge unterhaltsame, kreative Post und Videos, sehenswerte Bilder, packende Sneakpeaks, witzige Streams oder Blogs wie diesen hier, die auch erst einmal geschrieben werden wollen - das dauert auch gerne mal ein paar Stündchen. Als angehender Autor muss man sich entscheiden, welche dieser Plattformen man bedienen möchte - denn man kann nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Dabei ist eine schmale Gratwanderung zwischen Spaß, möglicher Reichweite und Zeitaufwand.


Wir haben uns nun hauptsächlich für Instagram und diesen Blog entschieden.

Bilder zu schießen ist Fun und ist schnell gemacht. Man sieht etwas, snappt es eben und teilt es mit der Welt und durch die Verbindung zu Facebook wird die Seite gleich mit bedient.

Dieser Blog kostet deutlich mehr Zeit, doch Erfahrungen anderer Autoren zeigen, dass Blog sehr beliebt sein können und wir quatschen verdammt gerne. Wir lieben den Kontakt zur Leserschaft und zeigen gerne, was wir so treiben. Wir lieben es auch, über unser Schaffen zu quatschen.

Solltest du uns schon von Wattpad kennen, dann ist dir das sicher längst bekannt. Board und Kommentarzone waren nie vor uns sicher und wir hatten unsere sogenannten "Shit Bücher", die im Grunde schon eine Art Blog waren.

Dementsprechend lag es nahe, sich an einem Blog zu versuchen. Wir haben daran eine Menge Spaß und auch hier haben wir eine Kommentarzone. Es ist eine vielversprechende Möglichkeit, mit dem Leser - also dir - in direkten Kontakt zu treten.


Mein Tipp


Wenn ich denn so unverfroren sein kann - jetzt schon, derart am Anfang der Reise - Tipps zu geben, dann ist es wohl der: Vernachlässige nicht, deine Marke aufzubauen, doch sei dabei nicht zu verkrampft. Sei einfach du selbst. Dazu ist es wichtig, dass du die Plattform aufbaust, auf der du glänzen kannst und die zu dir passt. Du magst witzige Videos, aber magst kein 'Rumgelaber'? Dann ist vielleicht TikTok eher etwas für dich, als ein Blog. Mach dir Gedanken, wie und wo du zu sehen sein willst. Lass die Leute wissen, wer du bist.


Und das gilt, wie zuvor erwähnt, auch, wenn du einen Verlagsweg ins Auge gefasst hast. Klar übernimmt der Verlag das Marketing, aber auch die sehen sehr gerne Manuskripte von gut vernetzten Autoren auf dem Schreibtisch. Ein Verlag möchte vorrangig eins: Bücher verkaufen. Und ein Autor, der eine kleine Fangemeinde mitbringt, ist da natürlich ein Glücksfall. Unter Umständen ist dann nicht nur dein Manuskript, sondern auch du als Autor von Interesse.


Für Indie Autoren, die ist Marketing selbst in Gang bringen müssen, gilt das natürlich noch viel mehr. Community und Vernetzung sind das A und O, denn nicht nur muss man die Bücher selbst an den Mann bringen und seine Gemeinschaft für diese begeistern, auch ein Cover muss erstellt werden und Lektoren wachsen auch nicht auf Bäumen. Mit anderen Autoren im Kontakt zu sein, damit man die richtigen Leute findet, ist essenziell.


Doch was ist nun mit all der Freiheit, die man neben dem Schreiben haben dürfte?


Kommen wir zurück zu dem zweiten beliebten Klischee, dass man Autoren nachsagt. Auch hier muss ich wieder Zugeständnisse machen, denn selbst ich meinte noch letzten Monat zu Erin: "Hey, wenn wir Autoren wären, dann bräuchten wir keinen Tagesrhythmus mehr, dann könnten wir schlafen gehen wie wir wollen." Ja, das klingt im ersten Moment logisch, doch als ich anfing mich mit Self-Publishing zu beschäftigen, wurde mir der Zahn schnell gezogen.


2) Der Job eines (Indie) Autor erfordert enorme Disziplin


So aufregend die Vorstellung ist, über Nacht so richtig durch die Decke zu gehen und nie wieder Sorgen zu haben, weil die Leser einem das Buch aus der Hand reißen und Netflix schon an der Tür klopft, um das Glanzstück zu verfilmen, so unrealistisch ist sie auch.


Ein Bestseller schreibt sich in der Regel nicht über Nacht. Für gewöhnlich hat der Tag nur 24 Stunden und wenn man es richtig machen will, dann gehen, wie bei jedem anderen Job auch, dafür viele Stunden drauf. Von einem Buch wird man nicht reich. Auch von zehn Büchern wird man nicht reich.

Möchte man wirklich von seinen Büchern leben, dann muss man auch konsequent durchziehen und schreiben. Man muss immer wieder neue Bücher produzieren, je mehr, desto besser. Doch mehr als 3 oder 4 Bücher schaffen die meisten Autoren nicht im Jahr und doch müssen die Einnahmen dieser Bücher reichen, um einen durch das Jahr zu bringen. Wenn man sich da nicht ordentlich dahinterklemmt, dann schafft man das simpel nicht.


Wir hatten unser ersten Buchverkauf für den 01.05.2022 angepeilt, doch jetzt haben wir schon Ende März und siehe da: Es wird super eng, denn als Indie musst du auch noch Dinge wie Cover und Lektorat selbst in die Hand nehme und organisieren. Wir gestehen uns an dieser Stelle gleich mal ein: Es wird wohl eher der 01.06., denn wir haben noch so viel zu tun und durch die Brotjobs fehlen uns mal eben 8 Stunden am Tag. Ein Monat also nicht ausreichen, und das, obwohl das Buch, was wir veröffentlichen wollen, bereits fertig ist und "nur" noch mal überarbeitet werden muss.

Viele unterschätzen den Arbeitsaufwand für ein Buch völlig und - ja - auch wir haben uns das eventuell etwas leichter vorstellt. Doch wie sagt man so schön: Wer das eine will, muss das andere lieben!


Dabei ist der Brotjob nicht der Übeltäter. Versteh mich nicht falsch. Der Brotjob sorgt nicht dafür, dass wir 'mehr' zu tun hätten - er sorgt lediglich dafür, dass wir in derselben Zeit weniger Bücher auf den Markt bringen können. Den Brotjob loszuwerden, würde nicht magisch alle Problem lösen, wir kämen nur ein wenig schneller voran. Doch ein Buch ist immer eine Menge Arbeit.


Wir halten also fest: Das mit dem "Schlafen gehen, wann man will" ist Murks. Ein geregelter Tagesablauf ist für die Produktivität absolut unerlässlich. Man muss bereit sein am Tage viele Stunden ins Schreiben, Organisieren, Plotten, Recherchieren und Netzwerken zu stecken. Das ist nicht einfach und wenn da die Leidenschaft fehlt, dann kann der vermeidliche Traumjob rasch zu ätzenden Burnout-Brennstoff werden - so wie jeder andere Job, der dich vielleicht nicht glücklich macht.


Fazit


Ich hoffe, du kannst aus diesem Blog etwas mitnehmen, egal ob du Leser*in, angehender Autor oder bereits veröffentlichter Schriftsteller bist. Das hier soll absolut kein Gejammer sein. Ich persönlich habe mir längst bewusst gemacht, dass das kein leichter Weg wird und ich habe trotzdem richtig Bock darauf. (Jetzt, wo ich hier fertig bin noch viel mehr, haha, der Blog tat richtig gut)

Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man erst ein wenig tiefer graben muss, bevor man das ganze Bild des Berufes erkennen kann und du hast das nun getan, wenn du bis hier runter gekommen bist. Du hast mit mir gebuddelt. Danke dafür.


Wenn du also Leser bist: Ich hoffe, du hast jetzt einen neuen Blick auf die Bücher, die du in die Hand nimmst.

Bist du ein angehender Autor, so wie wir: Ich hoffe, du kannst jetzt besser einschätzen, was auf dich zukommt und das ganz hier war ein bisschen hilfreich.

Und bist du bereit mitten im Game: I feel you, Bro.


Sollten Fragen aufgekommen sein, lass es mich einfach in den Kommentaren wissen. Nur keine Scheu, ich gebe mein Bestes eine Antwort zu liefern. Ansonsten wünschte ich einen wundervollen Tag und hoffe, wir sehen uns in einem anderen Blog wieder.


Riot! Ria ♥


31.03.2022

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